Mama erzähl mal

Erinnerungen an meine Kindheit in Essen-Werden

Die alte Ruhrbrücke

 

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So sah die alte Ruhrbrücke in meiner Kindheit aus, .

Sie war nicht so breit, wie ihreNachfolgerin und auch noch nicht so stark befahren. An jedem Ende in der jeweiligen Fahrtrichtung befand sich eine Bushaltestelle.

Wenn man von Essen nach Werden auf die Brücke kam, sah man gleich vor Kopf ein langgestrecktes Gebäude. Das war das Kolpinghaus.

Zu Karneval ging esdort hoch her und viele Jahre war es für meine Geschwister und mich ein beliebter Anlaufpunkt, wenn es darum ging, singen zu gehen.

Aber ich will heute nicht weiter auf die Karnevalszeit eingehen, sondern bei der Brücke bleiben.
Vier Jahre fuhr ich von dort mit dem Bus nach Velbert zur Schule. Auf der Brücke war für Werden die einzige Haltestelle der roten Bahnbusse. Die waren wesentlich preiswerter, als die gelben Busse der EVAG.

Für mich und die meisten meiner Mitschüler bedeutete das zunächst einen ziemlichen Fußweg und oft kam ich erst auf dem letzten Drücker dort an. Wenn ich dann angerannt kam, warteten viele Busfahrer auch mal einen Moment.

Aber ich war ja nicht jeden Tag spät dran. Sonst könnte ich die Ruhrbrücke heute nicht mit zwei weltbewegenden politischen Ereignissen in Verbindung bringen.

Wir hatten zu Hause keinen Fernseher und Radio habe ich nur heimlich angemacht. Eigentlich durfte ich das nämlich nicht, weil es ja höhere Stromkosten verursachte.

So war ich natürlich an einem Montagmorgen im August 1961 völlig ahnungslos, als ich zur Haltestelle kam. Es gab immer kleine Grüppchen, die zusammenstanden, streng getrennt nach Klassen und Geschlecht (Schulklassen natürlich).

 

Ich trat wie immer zu den Mädchen meines Jahrgangs und da erfuhr ich, dass die Soldaten der DDR dabei seien, eine Mauer durch Berlin zu bauen. Überall bemerkte ich Fassungslosigkeit und Bestürzung. Viele von uns hatten Verwandte in der Ostzone, wie dieses von den Russen besetzte Gebiet damals hieß.

Ich dachte damals gleich an meine Oma, denn ihre sämtlichen Geschwister lebten dort mit ihren Familien. Ich habe sie nie kennen gelernt, aber sie waren mir durch Omas Erzählungen vertraut und auch wegen der vielen Pakete, die sie von ihrer kleinen Rente vor Weihnachten zusammenstellte, um ihren Lieben eine Freude zu machen.

Dazu kam auch eine allgemeine Angst, die sich breit machte. Als Nachkriegskinder, die überall noch mit den Zerstörungen des zweiten Weltkrieges konfrontiert waren, fürchteten wir doch nichts mehr, als einen erneuten Krieg. Diese latente Angst hat uns wohl alle mal mehr und mal weniger stark über Jahre hinweg begleitet.

Zwei Jahre später gab es ein weiteres welterschütterndes Ereignis.

 

Der Morgen des 23. November 1963.

Es war ein Samstag und zur damaligen Zeit ein normaler Schultag. Ich kam am Morgen gutgelaunt zur Ruhrbrücke und als ich mich der Haltestelle näherte, konnte ich gleich bemerken, dass etwas passiert sein musste. Etwas richtig Schlimmes.

Während ich fragend in die teilweise verweinten Gesichter meiner Mitschülerinnen blickte, wurde mir bereits klar, es muss jemand gestorben sein.

Als sie mir dann sagten, dass in der Nacht Präsident John F Kennedy ermordet wurde, brachte ich zunächst kein Wort heraus.

Niemand konnte begreifen, dass es wahr sein sollte. Wir alle hatten sehr für ihn geschwärmt und nach seiner Rede am Brandenburger Tor war er für uns wie ein Messias. Nicht nur wir Werdener Kinder, nein, alle Menschen in Deutschland verbanden mit ihm die Hoffnung, dass dem kalten Krieg und der Berliner Mauer durch seine Politik ein Ende gesetzt wird.

In der Schule fiel natürlich jeder reguläre Unterricht aus und unsere Lehrer redeten mit uns über die Ereignisse der vergangenen Nacht.

Wenn mich jemand heute fragen würde, wo waren sie, als sie von diesen Ereignissen erfahren haben, kann ich ohne Nachdenken sagen

    “Ich war auf der Werdener Ruhrbrücke.”
  • udo kremer sagt:

    Guten Morgen,
    erst einmal danke, dass die Seiten und Bilder wieder ok. sind. Zum Thema 13.08.61:
    Ich befand mich seinerzeit in der Vorbereitung zu meinem letzten zivilen Urlaub, denn ab dem 01.10.63 gings ab zum Wehrdienst. Viel prägnanter war für meine Familie und mich die Tatsache dass nicht nur der Mauerbau begann, sondern unsere Mutter an diesem Tag Geburtstag hatte. Das eine schloss das andere nicht aus, aber Mutters Geburtstag war naheliegender. Kleine Anmerkung zusätzlich, mein Geburts-tag, der 6. August ist unlöschbar mit dem 1. Atombombenabwurf der Amerikaner auf Japan verbunden.

    Gruß
    Udo Kremer

  • udo kremer sagt:

    Guten Morgen nach Warstein von der Mosel,
    habe gerade gesehen, dass meine Anmerkungen zum Mauerbau einem Seniorenfehler zum Opfer gefallen sind. Es muss natürlich heißen: “….denn ab dem 01.10.1961 gings ab zum…

    Tschüss
    Udo Kremer

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