Mama erzähl mal

Erinnerungen an meine Kindheit in Essen-Werden

Die Kalkwanne

Hier lässt mich mein Zeitgefühl ein wenig im Stich aber diese Begebenheit müsste in den Sommer 1958 fallen.

brehminsel-84 Am Nachbarhaus bzw das Haus das hinter unserem stand und zur  Brehmstrasse gehörte sollte neu gekälkt werden. Aus diesem Grund stand neben dem Haus eine große flache Kalkwanne.

Es muss  ein sehr heißer Sommer gewesen sein und ich durfte mit meinen Geschwistern nach draussen.

Alle Kinder der Nachbarschaft waren zum Schwimmen im Freibad, so, dass wir also mutterseelenalleine auf dem Schulhof waren. Irgendwann machten wir uns auf den Weg nach Hause. Aber es war noch früh, und wir kamen an dieser Kalkwanne vorbei, die gleich neben dem Hesterkamphaus in der Gasse zu unserer Haustür stand.

Die Arbeiter hatten bereits Feierabend und  die Straße war  menschenleer. So hat uns natürlich auch niemand davon abhalten können diese Kalkwanne mal etwas genauer zu inspizieren. Obendrauf war eine dicke harte Schicht, denn die Hitze trocknete das Zeug natürlich aus. Die Brocken, die man rausschlagen konnte, eigneten sich wunderbar um auf der Straße malen.

Wie es kam und warum, ich kann es heute nicht mehr sagen. Auf jeden Fall  stand mein Bruder auf einmal auf der harten Kalkschicht. Irgend etwas hatte sein Interesse geweckt. Ich sagte, er soll schnell wieder runter kommen, weil er einbrechen kann aber ich hatte es kaum gesagt, da knackte er ein. Mit beiden Füßen stand er nun in der Kalkpampe und kam aus eigener Kraft nicht wieder raus. Mir blieb nichts anderes übrig, als auch darauf zu treten um ihm heraus zu helfen.

Tja und was soll ich sagen, natürlich knackte ich auch ein. Wir schafften es zwar Beide aus dieser Wanne raus, aber unsere Schuhe waren natürlich triefend voll von dem Kalkzeug.

Ich weiss, ich hatte einen Heidenangst, nach Hause zu gehen, aber es blieb ja nichts anderes übrig. Natürlich war ich schuld, ich sollte ja auf die Kleinen aufpassen.

Das Schlimmste  und was  ich noch nicht einschätzen konnte war, dass unsere Schuhe vollkommen unbrauchbar waren, denn der Kalk war ätzend und die schönen roten Sandalen die mein Bruder an hatte waren völlig hinüber.

Zu der Zeit war das eine Riesenkatastrophe. Wie sollte meine Mutter an neue Schuhe kommen, wo doch jeder Pfennig dreimal umgedreht werden musste?

Dementsprechend gabs natürlich eine ordentliche Tracht Prügel und ohne Essen ab ins Bett.

Irgendwie fand ich es ungerecht, denn dafür, dass ich den Kleinen aus dieser Wanne gerettet habe, hätte ich mir doch eigentlich ein Lob verdient …

Aber so ist das eben, wenn man die Älteste ist.

Natürlich machten wir, nachdem der Hausarrest vorbei war, einen großen Bogen um dieses Ding…

;-)

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