Mama erzähl mal

Erinnerungen an meine Kindheit in Essen-Werden

Allerheiligen

Als Kind hatte dieser Tag eine ganz besondere Faszination für mich.  Und ich habe mich immer schon Tage vorher darauf gefreut.

Am späten Nachmittag ging meine Oma,  solange sie noch nicht im Altersheim war, jedes Jahr zu Allerheiligen mit mir auf den Bergfriedhof.

Zuerst nahmen wir an der Andacht teil, die dort vor dem großen Kreuz am Hauptweg abgehalten wurde. Meist ging das für meine Begriffe ziemlich lange und dazu war es oft auch lausekalt.

Nach der Andacht besuchten wir die Gräber meines Opas und meiner kleinen Schwester Petra. Meine Oma hatte dann immer einige kleine Lichter, die in farbigen Kunststoffbechern aufgestellt wurden, dabei.  Sie ordnete sie  auf den Gräbern an und entzündete die Kerzen.

Inzwischen war es dann  dunkel geworden.  Ich gruselte mich immer ein wenig, aber meine Oma war ja bei mir und hielt mich fest an der Hand. Sie kannte sich auf dem Friedhof, der sehr groß und unübersichtlich erschien, gut aus. Und das Schönste war, dass auf allen Gräbern die Lämpchen brannten.

Der Geruch der Kerzen vermischte sich mit dem von Tannengrün,  Herbst und Vergänglichkeit.

Wir besuchten nicht nur die Gräber von Opa und Petra, sondern auch einige andere, von Menschen, die ich nicht kannte, die aber  meiner Oma wichtig waren. An manchen Gräbern verweilten wir zu einem kurzen Gebet.

An keinem anderen Tag im Jahr habe ich so viele Leute auf dem Friedhof erlebt. Es war eine Stimmung, die man nicht beschreiben kann und wie ich sie auch später nie wieder an diesem Tag auf einem Friedhof  empfunden habe.

Aber das liegt wohl daran, dass in den späteren Jahren meine Oma fehlte.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert *

*