Mama erzähl mal

Erinnerungen an meine Kindheit in Essen-Werden

Tante Ophoff

bruckstrasse-13 Alle Kinder in unserer Nachbarschaft liebten sie.

Sie war einfach eine sehr besondere Persönlichkeit.

Sie war eigentlich Fräulein Ophoff und lebte mit ihrer Mutter, Frau Ophoff in der Brehmstrasse, gleich hinter der Heckerschule.

Aber der besondere Kontakt entstand, weil sie im Nachbarhaus einen Süssigkeitenladen hatte. Kein Büdchen oder so, nein ein richtiges Geschäft, mit den herrlichsten Pralinen, Schololaden und natürlich auch Bonbons.

Sie hatte hinter der Verglasung der Theke einige Reihen viereckiger Behälter und in jedem war etwas Anderes. Gummibärchen, kleine Salinos, bunte Lakritzstifte und weiter ging es mit Prickel Pit, Brockenbrause, Tütchenbrause, Colalutscher, Lakritzschnecken verschiedene Sorten Kaugummi und oben auf der Theke einen Teller mit Negerküssen.

Und immer gab es einige besondere Sachen, die nicht zum Dauersortiment gehörten, köstliche Lutscher, die mit Schokolade bezogen waren und darunter eine weisse leckere Masse mit kleinen Salmiakpastillen. Oder, runde Kugeln, auch mit einem Schokoladenüberzug und einem weissen Kern, der herrlich süss war. Heute finde ich die nirgendwo mehr. Dann gab es gelegentlich Muscheln, die man auslecken musste und Weingummibonbons.

Jede Woche bekamen wir Kinder am Freitag Abend eine “Wochenendtüte” von unserer Mutter. Für jeden von uns das gleiche. Und egal, wie knapp das Geld war, unsere Tüte war immer eine sichere Sache. Wenn einer von uns Geburtstag hatte war es eine besonders Große.

Ich glaube, damit hat meine Mutter damals (vielleicht sogar unbewusst) erreicht, dass wir nie nach was Süßem gebettelt haben, Wir wussten, am Freitag gibts die Tüte und damit war es gut.

Ausserdem steckte Tante Ophoff uns immer etwas zu.Sie hatte meine Geschwister und auch mich (oder besonders mich?) ins Herz geschlossen.

Mittags ging ich oft zu ihrer Wohnung und holte ihr Mittagessen ab. Dafür gab es sehr häufig etwas Süsses. Und ich bekam es nicht nur für mich, immer auch für meine Geschwister.

Wenn ich aus dem Kindergarten oder später aus der Schule kam und meine Mutter war nicht zu Hause, war Tante Ophoff meine Anlaufstelle. Ich durfte dann in ihrem Hinterzimmer auf dem Sofa sitzen und malen oder in ihren Zeitschriften blättern. Merkwürdigerweise war es nie langweilig bei ihr.

In diesem Laden gab es auch die schönsten Bonbonieren die man sich denken konnte. Die habe ich mir immer besonders sehnsüchtig angeschaut. Wenn Kinder ihrer Kunden Kommunion oder Konfirmation hatten, bekamen die eine dieser Packungen, je nach dem wie gute Kunden die Eltern im Laufe des Jahres waren.

ich durfte dann an dem betreffenden Tag mit diesen schön verpackten Pralinen von einem Kommunionkind zum Nächsten gehen. Das war eine meiner liebsten Aufgaben, die sie mir anvertraute. Zum Einen konnte ich mir die schön gekleideteten Festagskinder aus der Nähe ansehen, zum Anderen gab es auch immer eine Kleinigkeit für den “Boten”

Zu Tante Ophoff gehörte auch Fräulein Batz, die ihre Freundin war und Frau Bönneken, eine Seele von Mensch, die tagsüber Frau Ophoff betreute, den Haushalt erledigte und das Essen kochte.

Soweit erst einmal…Später mehr

zurück