Mama erzähl mal

Erinnerungen an meine Kindheit in Essen-Werden

Unser Garten auf der Ruhrtalstraße

Eines Tages kam mein Vater von seiner Arbeit bei der Holzverarbeitungsfirma Döllken nach Hause und eröffnete uns, dass wir ab sofort einen eigenen Garten hätten. Wir Kinder fanden das toll. Meine Mutter, die als Kind in jeder freien Minute in dem riesigen Garten ihres Elternhauses, also bei Oma Reinicke, arbeiten musste, war allerdings weniger angetan.
Rückblickend betrachtet hatte sie bestimmt allen Grund dazu.
Aber wie kamen wir zu diesem Garten?
Die Firma Döllken war Besitzer eines Grundstücks, für das scheinbar noch keine Verwendung vorgesehen war und hatte beschlossen, das Land interessierten Mitarbeitern als Gartenland zur Verfügung zu stellen.
Unser Vater gehörte zu den Auserwählten und war nun voller Tatendrang.
Wir holten ihn am anderen Tag zur Feierabendzeit vom Firmentor ab. Er ging mit uns ein Stück die Ruhrtalstraße runter und ungefähr gegenüber der Effmannstraße hielt er an einem Grundstück, auf dem unser Garten sein sollte.
Naja erkennbar war er nicht. Es war einfach nur ein großes verwildertes Grundstück mit einem Weg, der es in zwei Hälften teilte und an dessen unterem Ende ein Schuppen stand. Das, was einmal unser Garten werden sollte, war ein markierter Streifen Land auf diesem Grundstück. Insgesamt war es in ungefähr sechs schmale Parzellen auf jeder Seite des Weges aufgeteilt. Der Schuppen diente allen Gartenbesitzern als Abstellraum für Gartengeräte und Bekleidung.
Einige der anderen Gartenbesitzer kannten wir und jeder stand jedem mit guten Ratschlägen bei.
Zunächst musste natürlich das Stück Land umgegraben und das gesamte Unkraut entfernt werden. Das war richtig viel Arbeit und nach einigen Tagen wusste ich, dass ein Leben ohne Garten viel angenehmer gewesen wäre. Jeden Abend fielen wir todmüde ins Bett.
Nachdem die gesamte Fläche umgegraben war, wurden Kartoffeln und Zwiebeln, ein Johannisbeer und ein Stachelbeerstrauch gesetzt. Natürlich gab es auch ein Eckchen für etwas Petersilie und Schnittlauch und für einige Blumen.
Unten am Schuppen konnten wir Wasser zum Gießen holen, was eine richtige Schlepperei war.
Gemessen an dem, was wir an Arbeit investierten, war der Nutzen unseres Stückchen Landes sehr gering. Das war ein reiner Arbeitsgarten und ich weiß gar nicht, ob wir ihn abgegeben haben, weil meine Mutter sich irgendwann durchsetzte, oder weil das Grundstück bebaut werden sollte. Jedenfalls kann ich mich nur an ein einziges Gartenjahr erinnern.

Schade, dass es heute kaum ein Unternehmen gibt, das freiwillig etwas für die Verbesserung der Lebensbedingungen seiner Mitarbeiter tut.
Wäre man jetzt sehr skeptisch, könnte man natürlich sagen, auf diese Art haben sie ihr Grundstück unter dem sozialen Deckmäntelchen vor dem Verwildern bewahrt. Aber andererseits gab es für Mitarbeiter auch andere firmenfinanzierte Vergünstigungen, wie zum Beispiel das Ferienwohnheim für die Mitarbeiter und deren Familie in Elkhausen, über das ich bestimmt auch irgendwann einmal berichten werde.

  • renate sagt:

    In dem vorderen Teil dieser Anlage hatten wir auch einen Garten. Das wichtigste an ihm war für mich das große Erdbeerfeld. Als Kinder konnten wir uns an Erdbeeren so richtig satt essen. An warmen Tagen bestand unser Mittagessen oft aus einem großen Teller Erdbeeren mit Milch.
    Aus Nostalgie gönne ich mir das auch heute noch manchmal.

    Das zweitwichtigste war, dass wir Kinder an der Böschung die alten Dampfloks beobachten konnten, die sich aus dem nahegelegenen Bahnhof spuckend und fauchend in Bewegung setzten. Wie man an meinem Firmenlogo sehen kann, bin ich noch heute von Zügen begeistert.

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