Mama erzähl mal

Erinnerungen an meine Kindheit in Essen-Werden

Strom kommt sowieso ins Haus – nutz das aus…

Ein Thema, zu dem man sich angesichts der aktuellen Lage in Japan und der Atomstromdiskussion in unterschiedlicher Weise Gedanken macht.

Wie war das früher, in den 50er Jahren?

Sie waren das Jahrzehnt des Aufbruchs und veränderten das Leben in Deutschland wie kein anderes. Ein großes Vorbild waren wohl auch die Bilder, die aus den USA kamen. Dort gab es bereits vieles an Technik, was nach den Kriegsjahren für die Deutschen Bürger ein Wunschtraum war.

Auf der Heckstraße, gleich am Anfang, neben den Kruppschen Konsum, war ein Schaufenster der Geschäftsstelle des RWE. Dort konnte man die revolutionären Haushaltshelfer bestaunen. Einen Elektroherd beispielsweise oder eine Waschmaschine.
Die 50er Jahre wurden zur Dekade des technischen Fortschritts und um die Überkapazitäten der Energieunternehmen zu vermarkten, mussten möglichst viele elektrisch betriebene Geräte unter die Bevölkerung gebracht werden. Da halfen Werbeslogans, die bis heute unvergessen sind, wie
“Strom ist ein Pfennigspaß”
oder
“Strom kommt sowieso ins Haus-nutz das aus”

Die Kauf solcher Geräte war zwar für die allermeisten Menschen wegen der hohen Anschaffungskosten fast unmöglich, aber nach und nach hielten die elektrischen Helfer dank gezielter Werbekampagnen doch Einzug in die bundesdeutschen Haushalte.
Immer neue Bedürfnisse wurden suggeriert und wer will sich heute ein Leben ohne Kaffeemaschine, Elektromixer, Fernseher und Waschmaschine vorstellen? Ganz zu schweigen von den zahlreichen anderen Errungenschaften.
Damit lieferte der steigende Stromverbrauch gleichzeitig die Argumente für die Unverzichtbarkeit auf die Gewinnung von Kernenergie.
Wenn man heute von “Strom sparen” redet, macht man das nicht am Verzicht fest, sondern an neuer Technologie. Ein Gerät mit der höchsten Energieeffizinzstufe zu kaufen bedeutet, man leistet seinen Beitrag zum Umweltschutz und zum baldigen Ausstieg aus der Kernenergie.

Bei meiner Oma Reinicke lernte ich als Kind, dass man mit Strom sparsam umgehen muss. Licht wurde erst angemacht, wenn es dunkel wurde, das Radio nur, wenn es etwas Bestimmtes gab, was man hören wollte, und so sehr ich auch nachdenke, ich erinnere mich an keine weiteren elektrischen Geräte. Sie hatte nie einen Kühlschrank, den gab es auch bei meinen Eltern erst Anfang der 60er Jahre. Gekocht wurde mit Gas und bei Oma war es der einzige Luxus, den sie sich gelegentlich gönnte, dass sie ihr Onduliereisen in die Gasflamme legte.

Nein, das sind keine Gedanken nach dem Motto “zurück in die Steinzeit” Eher denke ich darüber nach, wie sehr wir unbewusst die Macht der Energiekonzerne gemehrt haben. MUSS ich einen elektrischen Wecker haben? Oder eine elektrische Kaffeemaschine? (naja, die habe ich sowieso seit 30 Jahren nicht ;-) )

Früher war Strom vielleicht wirklich ein Pfennigspaß, gemessen am Einkommen war es aber lebensnotwendig, damit sparsam umzugehen.

Ich denke, auch heute ist es nicht anders, auch wenn wir es uns finanziell leisten könnten.

  • Klaus sagt:

    Britta, Du bringst es wunderbar auf den Punkt. Uns wurden und werden seit Jahrzehnten Geräte und Bedürfnisse suggeriert, die letztlich nicht wir, sondern die großen Stromerzeuger brauchen und durchsetzen. Auch wenn Du schreibst, dies seien keine Gedanken nach dem Motto “zurück in die Steinzeit”, erschreckt mich dieser Begriff doch. Was passiert mit den verstrahlten Gebieten und ihren Bewohnern in Nordjapan? Sind diese nicht tatsächlich in die Steinzeit zurück geworfen? Für wieviele Jahrtausende kann dort nicht mehr gewohnt werden?
    Die Atomkraftwerk-Katastrophe in Fukushima zeigt, dass die Atomkraftwerke nicht beherrschbar sind, auch wenn die großen EVUs das wegreden wollen. In unserem Land hilft nur ein schnelles Abschalten aller Meiler, noch in dieser Legislaturperiode. Es kann auch kein Zurück zum alten Ausstiegsbeschluss der ehemaligen rot-grünen Bundesregierung geben. Dieser ist historisch überholt und muss durch ein schnellstmögliches Abschalten ersetzt werden.

    Gleichzeitig muss durch größtmögliche Energie-Einsparungen, Effizienzsteigerung und den beschleunigten Ausbau der Erneuerbaren Energien, inklusive notwendiger Speicher und intelligenter Netze eine sichere und klimafreundliche Energie-Versorgung in Deutschland aufgebaut werden. Erst wenn das realisiert ist, hätte ein Spruch “ÖkoStrom kommt sowieso ins Haus-nutz das aus” wieder eine Berechtigung.

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