Mama erzähl mal

Erinnerungen an meine Kindheit in Essen-Werden

Die Bücherei Bovermann in der Grafenstraße

Meine liebste Beschäftigung als Schulkind war das Lesen. Glücklicherweise gab es  die  Stadtbücherei und die Leihbücherei Bovermann in der Grafenstraße. Sie hatte ihren Sitz im  Dingerkus-Haus.

brehminsel-48 Rechts von der Eingangstür durch die man in einen Hausflur kam,  sieht man auf den Bildern das große Schaufenster, in dem immer die Neuheiten, oder optisch besonders schöne Bücher auslagen. Das war auch der Raum, mit den gängigen Büchern, Krimis, Liebesromane und Kinderbücher. Die anspruchsvollere Literatur war im  Raum gegenüber untergebracht und in den kleineren Fenstern waren auch immer einige Titel ausgestellt.

Bei Bovermann lieh sich meine Mutter, von der ich die Leseleidenschaft scheinbar habe, ihre Lektüren aus. Oft durfte ich für sie dort hin gehen und die gelesenen Bücher gegen neue austauschen. Meistens ging ich zusammen mit meinem kleinen Bruder dorthin. Das war etwas, was wir sehr gerne machten, denn der kleine Laden wurde von zwei Damen betrieben, Schwestern, die immer ein freundliches Wort fanden und uns erlaubten, uns dort umzusehen.

Wie gerne blätterte ich dann in den Kinderbüchern, von denen sie immer eine kleine Auswahl vorrätig hatten. Ab und zu durfte ich mir auch eines ausleihen. Es wurde dann in die Karteikarte, die für meine Mutter angelegt war, mit einer Nummer eingetragen.

Jedes Buch hatte eine eigene Nummer und nur darum war es möglich, dass wir Kinder die Bücher umtauschen gehen konnten. Denn Fräulein Bovermann konnte anhand der Karte sofort nachsehen, ob unsere Mutter ein bestimmtes Buch schon gelesen hatte, oder ob sie es uns mitgeben konnte.

Als ich dann selber lesen konnte, habe ich die meisten der entliehenen Bücher heimlich auch selbst gelesen, wenn die Mama mal nicht zu Hause war. Aber nur die Kitschromane, denn  die Krimis mochte ich nicht. Natürlich musste ich aufpassen, dass es nicht auffällt, denn ich hatte ja keine Erlaubnis dazu.

brehminsel-22 Wenn wir gegen Abend in die Bücherei Bovermann  kamen, waren meist beide Schwestern im Laden. Eine führte nämlich den ganzen Tag das kleine Geschäft und die andere ging noch einer anderen Tätigkeit nach. Aber nach ihrem Feierabend traf man sie dann auch in der Bücherei an.

Ich habe die Beiden immer um die vielen Bücher beneidet, und um die Möglichkeit, sie alle lesen zu können.

Schade, dass ich schon immer eine Friseuse werden wollte. Bibliothekarin wäre meine nächste Wahl gewesen.

Aber die Liebe zu Büchern zieht sich in unserer Familie durch die Generationen, denn meine Tochter ist heute eine Buchhändlerin aus (und mit)  Leidenschaft. :-)

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