Mama erzähl mal

Erinnerungen an meine Kindheit in Essen-Werden

Advent in meiner Kindheit

Die schönste Zeit des Jahres waren immer die letzten Wochen vor Weihnachten.  Die  Werdener Straßen waren festlich mit Weihnachtsgirlanden geschmückt und  wenn wir aus dem Fenster schauten, strahlte die mit  vielen elektrischen Lichtern verzierte Tanne vor der evangelischen Kirche.

Aber das war es nicht alleine, was diese Zeit so besonders machte. Nein, es war auch immer die Zeit des Bastelns. Neben kleinen, selbsterstellten Geschenken für die Eltern bastelten wir  besonders gerne weihnachtliche Dekoration.

Zunächst suchten wir bei unseren Spaziergängen durch die Werdener Straßen einige Milchgeschäfte auf. Bei Holtkamp (später Grünastel) auf der Heckstraße und  bei Hüls in der Grafenstraße erfragten wir uns Strohhalme. Früher bekam man die beim Milchhändler, wenn man eine Flasche Kakao oder Milch kaufte auf Wunsch dazu und jedes Milchgeschäft hatte einen kleinen Vorrat. Natürlich waren sie, wie der Name sagt, aus Stroh, nicht so wie heute, aus Plastik.

altes-werden-2 Wir bekamen immer einige, aber die meisten bekamen wir bei der alten Dame, die auf dem Klemensborn hinter dem Saal ihren Laden hatte. Sie schenkte uns oft ein ganzes Paket. Übrigens war der kleine Zooladen, gleich nebenan ein zusätzlicher Anreiz, den weiten Weg zu machen.

Zu Hause wurden die Strohhalme dann erst einmal über Nacht in eine Schüssel mit Salzwasser gelegt, ehe sie am anderen Tag mit einer Nadel an einer Seite vorsichtig ganz gerade aufdeschlitzt wurden um sie mit einem alten Eisen zu bügeln. Dabei half uns  unsere Mutter oder die Oma. Durch das Salzwasser waren sie schön geschmeidig und nahmen beim Bügel je nach Dauer eine schöne braune Farbe an. Damit waren die Vorarbeiten für unsere Strohsterne abgeschlossen und wir konnten damit beginnen, die flach gebügelten Strohstreifen zurecht zu schneiden und mit der Mitte auf einer Nadel sternförmig anzuordnen. . Zwischen die einzelnen Streifen kam dann später ein winziger Tropfen Klebstoff. Wenn die Mama Goldkordel hatte, wurde die um die einzelnen Strahlen gelegt und gleichzeitig ließ man das Band etwas länger, damit man den Stern daran aufhängen konnte.

Am Abend legten wir sie auf die Fensterbank, damit das Christkind sie abholen konnte. Denn darum ging es ja, dass wir dem Christkind ein wenig von der vielen Arbeit abnehmen und dass es die Sterne am Heilig Abend an unseren Baum hängte.

Am anderen Morgen waren sie immer fort und stattdessen fanden wir ein paar Plätzchen oder Nüsse, die es uns zum Dank hingelegt hatte.

Wie stolz waren wir dann, wenn wir am Heilig Abend vor den geschmückten Baum traten, und das Christkind hatte nicht einen einzigen Stern vergessen.

  • Heiner sagt:

    Ja, so war das damals. Wie schön, dass Du die Erinnerung wieder ins Leben rufst.

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