Mama erzähl mal

Erinnerungen an meine Kindheit in Essen-Werden

Fernsehabend mit Oma Reinicke

SANYO DIGITAL CAMERA In den 50er Jahren gab es  in Werden nur wenige Familien,  die einen eigenen Fernseher besaßen. Aber bei Oma Reinicke wohnte in der Nachbarschaft ein Ehepaar, die so einen Zauberkasten besaßen. Und wie es damals üblich war, wurde die Nachbarschaft gepflegt und wir bekamen am Wochenende oft eine Einladung zum Fernsehabend.

“Wer gegen wen” ist die erste Fernsehsendung meines Lebens. Das war eine Ratesendung mit Hans Joachim Kuhlenkampf und nicht nur Oma und ich waren dann bei Steins zu Gast, nein, auch andere Nachbarn waren anwesend.Wir Kinder durften vorne auf dem Fußboden sitzen und die Erwachsenen saßen auf dem Sofa und im Sessel. Meist war das  aber nicht ausreichend und es wurden noch einige Stühle herbeigeholt. Das Wohnzimmer war an solchen Fersehabenden jedesmal richtig voll.

Als erstes wurden immer die Nachrichten (Tagesschau) gezeigt, was für uns Kinder natürlich gähnend langweilig war. Aber wenn dann Kuli die Bildfläche betrat, waren wir voller Aufmerksamkeit und starrten gebannt auf das, was sich uns bot.

Unvergessen ist ein Samstag, an dem wir schon etwas spät dran waren.Um nicht zu spät zu kommen, was ja sehr störend gewesen wäre, gingen wir nicht wie sonst entlang der Wege, sondern rannten quer über die Apfelbaumwiese. Oma war etwas schneller als ich und im Eifer sie einzuholen  stolperte ich über eine Unebenheit und fiel. Was ja nicht wirklich schlimm gewesen wäre, aber gerade dort wuchsen Disteln, in die ich natürlich fiel. Ich muss recht laut gebrüllt haben, denn Oma kam sofort zurück um mir zu helfen. Das Blut lief mir an den Beinen herunter und ich hatte höllische Schmerzen.

Von ihrem Wintergarten aus hatte Frau Stein nach uns Ausschau gehlten und sie kam nun schnell um  zu helfen. Gemeinsam brachten sie mich den restlichen Weg bis ins Haus. Frau Stein holte eine Schüssel mit Wasser und einen Verband, damit meine Wunden gut versorgt werden konnten.

Natürlich war inzwischen auch die Sendung bereits angefangen, aber  frisch verbunden und mit einem Stückchen Schokolade gestärkt durfte ich an diesem Abend das restliche Fernsehprogramm vom Sessel aus sehen.

Wenn Oma nach solch einem Fersehabend mit mir  durch den riesigen Garten den Heimweg antrat, war es fast immer bereits dunkel. Aber dafür hatte Oma die Taschenlampe eingesteckt. Mit einer Hand leuchtete sie den Weg aus, mit der anderen hielt sie mich, damit ich nicht auf den unebenen Wegen stolper und hinfalle.

Später, wenn wir dann die sieben Nachtgebete beendet hatten, gab es noch viel zu erzählen, ehe uns nach einem aufregenden Fernsehabend die Augen zufielen.

  • Gitte sagt:

    Guten Morgen Britta!
    Unvergessene Erinnerungen, das erste Mal das ich Fernsehen durfte war der heilige Abend 1956. Unser Hauswirt besaß ein Gerät und ein Bad. Vier Jahre alt war ich und durfte in ein Badetuch gewickelt vor dem Gerät, mit einem Nachbarsmädel. Wie schauten: Wir warten aufs Christkind. Damals wurde das doppelte Lottchen gezeigt, ich war fasziniert und fand es fast schade das Heilig Abend gefeiert wurde und ich wieder hinauf in unsere Wohnung mußte.Danke das du diese Erinnerungen geweckt hast.

  • Britta sagt:

    Ja, mir ergeht es auch ähnlich. Es gibt viele Sendungen, von denen ich noch genau weiß, wann und wo ich sie gesehen habe. Zum Beispiel nachmittags bei Fischell an der Schaufensterscheibe. Manchmal legten sie sogar den Ton nach draußen.

  • Britta sagt:

    Ach ja, wenn man das Bild anklickt, bekommt man eine Vorstellung, wie weit der Weg durch Omas Garten bis zu den Nachbarn war. Auch heute empfinde ich ihren Garten noch als riesengroß

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