Mama erzähl mal

Erinnerungen an meine Kindheit in Essen-Werden

Die Knopfkiste

Viel Spielzeug hatten wir als Kinder nicht. Jedenfalls gemessen an dem, was sich heute in Kinderzimmern türmt. Erst recht gab es keine Spielsachen bei den Großeltern.

Aber meine Oma Klein hatte etwas viel Besseres. Sie hatte eine alte Zigarrenkiste in der sich eine Unmenge an Knöpfen befand. Große und Kleine, Wäscheknöpfe und solche, die sie von alten Kleidungsstücken abgetrennt hatte. Und dazu auch noch die leeren Nähgarnrollen, mit denen man ebenfalls einiges anfangen konnte.

Wir konnten uns damit endlos lange beschäftigen. Die Knöpfe wurden in allen Varationen sortiert. Mal nach Farben, dann nach Größe, danach, welche die Schönsten sind oder welche uns besonders wertvoll erschienen.  Man konnte Muster auf dem Tisch erstellen und Figuren legen, der Phantasie waren einfach keine Grenzen gesetzt.Auch die ersten Rechenerfahrungen habe ich mit Omas Knöpfen gemacht, denn man konnte damit ganz toll zuzählen und abziehen spielen.

Wenn ich mit Oma Klein alleine war, durfte ich meist in ihrer  Stube spielen. Dann zwitscherte ihr Wellensittich und wenn er fliegen durfte, beteiligte er sich am Spiel. Er schob mit seinem Schnabel die Knöpfe hin und her oder ließ sich auf meinem Kopf nieder, von wo er eine tolle Übersicht hatte.

Wenn jedoch Besuch kam, oder es gab eine Geburtstagsfeier, wurde es dort zu eng. Aber ich glaube, vor Allem wollten sich die Erwachsenen ungestört unterhalten. Für diese Anlässe hatte sie einen kleinen Tisch in der Spülecke, an den wir Kinder uns setzen durften. Dort waren wir gerne, denn wir waren dort ungestört. Natürlich war auch  die Knopfkiste dabei.

Ich kann mich noch ganz dunkel  an meine Urgroßeltern zurück erinnern. Sie wohnten im Obergeschoß  des dritten oder vierten Hauses links  auf der Wintgenstraße. Auch dort gab es eine Knopfkiste und einen Kindertisch unter einer Dachschräge. Vielleicht hat Oma Klein diese Sachen damals für uns übernommen, als der Haushalt aufgelöst werden musste. Schade, das werde ich heute nicht mehr ergründen können.

  • Klaus sagt:

    liebe Britta,
    die “Knopfkiste” ist Dir wunderbar gelungen. Nicht nur schön geschrieben, wirft sie zugleich auch ein Schlaglicht auf das, was Kindern heute zum “Spielen” angeboten wird. Ob Videokonsum oder PC-Spiele die kreativen Potenziale unserer Kinder und Enkel in ähnlicher Art und Weise hervorlocken, darf bezweifelt werden.
    Sozialkritik vom Feinsten, da fängt Literatur an. Schade, dass das Genre der Kurzgeschichten heute so selten gepflegt wird. Aber Du beherrschst es immer besser.
    Klaus

  • Silke Kozjak sagt:

    Kreativität ist leider geistiger Luxus geworden.

    ich habe gerne mit den Teppichfransen von Oma flechten geübt ;-)
    kam nicht immer soooo gut

  • Britta sagt:

    ….dabei wolltest du doch nur in ihre Fußstapfen treten ;-)

  • Jutta sagt:

    Oh die Knopfkiste.
    Oh Gott was fällt mir dazu alles ein.
    Schon genannte Spielereien die ich nur zu gut kenne.
    Was gab es doch für schöne Knöpfe. Ich liebte die Perlmuttknöpfe so sehr, weil sie in allen Farben schimmerten. Ach und wer kennt das Fadenspiel mit einem Mantel, oder Jackenknopf ?
    Wenn ein stabiler Faden in die Knopflöcher gezogen wird, dann Fadenenden in beide Hände und den Knopf rumgewirbelt, dann gezogen auf beiden Seiten, dann ziehen sich die Fäden von selber zusammen und surren wie ein ganzer Stock Bienen. Wer kennt das ?????

  • Britta sagt:

    Ja, liebe Jutte, es ist im Nachhinein erstaunlich, wenn man bedenkt, was man mit den Knöpfen alles anstellen konnte.
    Wir haben oft stundenlang damit gespielt. Häufig habe ich mich alleine damit beschäftigt, aber zu zweit mit meinem Bruder fiel uns natürlich immer etwas Neues ein.
    Und wie es damals so war, etwas Anderes gab es nicht und wir haben auch nichts vermisst.

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