Mama erzähl mal

Erinnerungen an meine Kindheit in Essen-Werden

Kamillenblüten

Wenn ich in diesen Tagen an den Feldern der Soester Börde entlangfahre, leuchten mir überall die weiß-gelben Blüten der Kamille entgegen und lassen Erinnerungen an die Kindertage auferstehen.

Kamillenblüten sammeln war eine der Möglichkeiten, mit denen wir uns als Kinder etwas Geld verdienten. Ich glaube, Fräulein Ophoff hat uns auf die Idee gebracht und so zogen wir an sonnigen Tagen mit kleinen Tüten, die wir von ihr bekamen in die Felder rund um Werden.

abendliche-heckstrase Unser liebster Anlaufpunkt waren die Felder am Viehhauser Berg, oberhalb des evangelischen Krankenhauses. Zum Einen blühten dort reichlich Kamillen, zum Anderen waren in der Nähe einige Schrebergärten, in denen gleich am Zaun Erdbeeren reiften. Die konnte man mit der Hand erreichen und schmeckten natürlich viel besser, als die, die die Oma im Garten hatte.

Aber zurück zu den Kamillen.

Wie schon erwähnt, bekamen wir zum Sammeln von Fräulein Ophoff kleine Cellophan oder Papiertüten, in denen sie sonst die köstlichen Pralinen, die sie verkaufte, abwog. Dahinein kamen die Blüten, jede einzelne wurde sorgfältig ausgewählt und gepflückt. Der Stiel  durfte nach Möglichkeit nicht mehr dran sein. Auch meine kleine Schwester half mit.

Es war recht mühselig, ehe man ein Tütchen voll hatte und meist war es dann auch schon wieder Zeit, heimzukommen. Um Punkt 18.00 mussten wir nämlich immer zu Hause sein. Aber vorher ging es natürlich zu Fräulein Ophoff und wir brachten ihr stolz unser Tagespensum.

Für die kleineren Tüten bekamen wir von ihr 50 Pfennig.  Das war für uns ganz schön viel Geld. Und wenn wir einen guten Tag hatten und eine größere Tüte voll bekamen, gab sie uns sogar eine Mark.

Zu Hause hat sie sie dann getrocknet und  für ihren Tee aufbewahrt.

Natürlich sprach sich schnell herum, dass wir für sie Kamillen sammelten und Frau Temme, die das Haushaltwarengeschäft im gleichen Haus hatte, ließ sich auch von uns beliefern. Später kam dann auch noch Frau Burggraf dazu. Das war, als wir schon auf der Ludgerusstraße wohnten.

Ich glaube, damals empfanden wir das Pflücken nicht immer als was Tolles. Der Rücken schmerzte oft nach einiger Zeit und wenn die Sonne richtig heiß brannte, kam man auch ganz ordentlich ins Schwitzen.

Aber heute würde ich viel darum geben, soviel Zeit zu haben, dass ich einfach durch die Felder laufen kann um  einen Wintervorrat an Kamille  zu sammeln.

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