Mama erzähl mal

Erinnerungen an meine Kindheit in Essen-Werden

Wahlen in den 50er Jahren

In wenigen Tagen wird wieder gewählt….

Ich erinnere  mich noch gut zurück, an die Zeit, als der Kassierer der Partei, der mein Vater angehörte, noch jeden Monat persönlich  die Mitgliedsbeiträge kassierte.

Er kam meistens am Sonntagvormittag und ich weiß, meine Mutter hatte das Geld für ihn immer schon bereitliegen. Sie bekam dann eine Marke, die wie eine Rabattmarke aussah und die sie gleich in das Parteibuch einklebte.

Aber ich glaube, anders als beim Rabattmarkenbuch bekam sie dafür wenn es voll war nichts zurück. ;-)

Dann gab es auch noch Mitgliederversammlungen. Das habe ich aber nicht so sehr als etwas Außergewöhnliches in Erinnerung, denn mein Vater war gesellschaftlich sehr aktiv. Da hatte  immer mal ein Verein irgendeine Sitzung wegen der er abwesend war.

Was ich aber im Zusammenhang mit Wahlen in Erinnerung habe, war, dass mein Vater an den Wahltagen schon früh am Morgen fort musste. Er war nämlich für seine Partei als Wahlhelfer aufgestellt und musste daher zusammen mit Anderen in irgendeinem Wahllokal die Stimmzettel ausgeben und nach 18.00 diese dann auszählen.

Als ich etwas älter war und durfte ich am Abend mit meiner Mutter dort sein und abwarten, wie das Ergebnis ausfällt.

Besonders gut erinnere ich mich an eine Wahl, als Grete Rudoll als Bundestagsabgeordnete bestätigt wurde. Sie war eine bekannte Persönlichkeit, kein bischen eingebildet und sie war immer sehr freundlich, auch oder besonders zu uns Kindern.

Auch wenn ich keine Ahnung hatte, was sie als Bundestagsabgeordnete  macht, war mir aber klar, dass es etwas sehr Wichtiges sein musste.

Alle Wahlhelfer trafen sich nach der Auszählung mit ihr am Porthofplatz in der Gaststätte Kimmeskamp. Ich durfte auch mit.  An dem Abend ging es richtig hoch her. Alle lagen sich in den Armen und freuten sich, dass sie es geschafft hatten.

Und ich freute mich natürlich mit. Besonders, weil ich dabei sein durfte und weil ich einmal nicht um 18.00 ins Bett musste ;-)

Was ich mich heute frage….

Hatten die Menschen früher mehr Interesse an Politik? Oder hatten Politiker eher mehr Interesse an den Menschen, von denen sie gewählt wurden?
:-)

  • Klaus sagt:

    tja, was ist aus der Partei geworden, in der Dein Vater einmal aktiv war. Vielleicht liegt darin ein gewichtiger Teil der Antwort auf Deine Frage. Soll man dem nun hinterher trauern? Besser neue Wege gehen…Deine Geschichte regt nicht nur an, sie ist auch wunderschön geschrieben.

  • Gitte sagt:

    Neue Wege gehen ja das ist es was wir brauchen, oder vielleicht zurück zu den Wurzeln, mit wenig viel erreichen?
    Liebe Grüße Gitte

  • udo kremer sagt:

    Hallo und Guten Morgen,
    ich kenne Grete Rudoll auch noch persönlich. Meine Eltern und wir jüngeren Kinder waren oft in ihrem Haus oberhalb des Hespertals.
    Hinsichtlich der verloren gegangenen Polit-Kultur kann man m.E. nur sagen, dass damals die Personen noch im Vordergrund standen und nicht die ab-strakte Partei. Heute sind die Abgeordneten eine entrückte Kaste ohne jegliche Bodenhaftung.
    Die Treffen in der Gaststätte Kimmeskamp waren nach jedem Wahlsonntag ein besonderes Muss und Ereignis.
    Kimmeskamp war ja auch das Vereinslokal vom “Werdener Volkschor”.

    Liebe Grüße
    Udo Kremer

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