Mama erzähl mal

Erinnerungen an meine Kindheit in Essen-Werden

Meine Puppe Gabi

[tab:Meine Gabi]

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Früher hatten wir Kinder nicht so viele Puppen und Stofftiere, wie zum Beispiel meine Kinder hatten. Auch wenn ich mich bemühte, ihre Anzahl übersichtlich zu halten, so sammelten sich im Laufe der Kinderjahre bei meinen drei Sprösslingen trotzdem eine Menge Exemplare an.

Dabei hätte ich so gerne gehabt, dass sie, so wie ich, nur zwei oder drei Puppen gehabt hätten, die dann auch für sie etwas Besonderes sind.

So wie meine Gabi. Mit ihr durfte ich allerdings nur an besonderen Tagen spielen. Sie war eine wunderschöne Puppe mit glänzenden schwarzen Locken und einen rosafarbenem Kleid.

Später, als ich schon erwachsen war, erfuhr ich, unter welchen Umständen ich sie zum ersten Geburtstag bekam.

Anfang der 50er Jahre mussten alle Leute sehr sparsam leben. Meine Eltern hatten sich aber überlegt, ich soll zum ersten Geburtstag eine Puppe bekommen. Mein Vater gab meiner Mutter einen 10.-DM Schein, mit dem sie einkaufen gehen sollte.

Da es natürlich auch an anderen Dingen fehlte, fragte meine Mutter, ob sie für das Restgeld ein wenig Unterwäsche für mich kaufen könne. Mein Vater war damit nicht einverstanden und sagte, er möchte den Rest der 10.-DM zurück bekommen.

post1 Darüber ärgerte sich meine Mutter so sehr, dass sie nach Puppen Grüter ging und für das gesamte Geld eine Puppe kaufte. So, wie meine Mutter es mir erzählt hat, war mein Vater wohl etwas verärgert. Aber nicht lange, er folgte wohl ihrer Logik, dass er ja keinen Höchstpreis für eine Puppe genannt hat.

Der Nachteil war, dass ich mit ihr, solange ich klein war, nicht spielen durfte, aus Angst sie könnte kaputt gehen. Aber ungefähr als ich vier oder fünf Jahre alt war, habe ich dann oft mit ihr gespielt und schlimm war, dass sie manchmal einfach nicht aufzufinden war.

Damals war es mir nicht so bewußt, dass ihr Verschwinden mit dem nahenden Weihnachtsfest zu tun haben könnte. Aber sie war dann das Erste, was in mein Blickfeld fiel, wenn wir am Heiligabend ins Weihnachtszimmer kamen.

Dann wurde mir auch klar, wo sie war. Das Christkind hatte sie geholt, um ihr neue Kleidchen zu nähen und sie mit Schuhen und anderem Zubehör auszustatten.

Im Laufe der Jahre litten die Haare ein wenig und die schönen lackierten Locken kamen aus der Form.

Da half wieder das Christkind. Gabi bekam eine Kurzhaarfrisur. Christkind hatte ihr die alten Haare abgenommen und ein braunes Fell stattdessen aufgeklebt. Das trägt meine Gabi bis heute.

Später verlor sich mein Interesse an Gabi ein wenig, aber dafür spielte manchmal meine kleine Schwester mit ihr.

[tab:Gabi heute]

post Gabi ist eines der ganz wenigen Dinge, die mir aus meiner Kindheit geblieben sind. Sie hatte zwar ein kaputtes Bein, weil die Klebenähte nicht ewig hielten, aber sie war mir trotzdem lieb und wertvoll.

Vor einigen Jahren habe ich mir dann Geld auf die Seite gelegt, um sie in eine Puppenklinik zu geben. Ich hatte von einer Frau gehört, die eine Fachfrau auf diesem Gebiet sein sollte.

Vertrauensvoll begab ich mich mit meiner Gabi zu ihr und bat sie, ihr ein neues Bein zu besorgen. Sie wollte sich darum bemühen und mich anrufen. Einige Tage später erfuhr ich dann, sie könne ein Paar Beine bekommen, die zur Puppe passen. Ein originales Bein sei nicht zu kriegen und daher müsste ich zwei andere Beine dran machen lassen.Die sollten 150 DM kosten.

Da ich mich jetzt einmal entschlossen hatte, dass ich sie wieder heil haben will, sagte ich “ja” . Allerdings musste ich ihr die Beine im Voraus bezahlen, da sie sie ja auch von jemanden kaufen muss. Auch das war okay.

Ich freute mich tagelang auf den Augenblick, wenn ich sie wieder abholen kann. Aber als ich dann zur vereinbarten Zeit kam, um sie in Empfang zu nehmen, habe ich fast geheult. Gabi hatte doch im Original Babypuppen-Beine, richtig knubbelig und rund. Jetzt hat sie Stehpuppen-Beine. Ganz gerade und schlanke Beine, die absolut nicht zu ihr passen und oben, an den Ansätzen auch nicht mit dem Körper harmonieren.

Natürlich habe ich meine Enttäuschung gezeigt, aber die Puppenexpertin hat mich gleich mit allen Argumenten überfallen, die ihr möglich waren und ich war viel zu erschüttert, um dagegen anzugehen.

Vielleicht wage ich eines Tages noch einmal einen Versuch, sie herrichten zu lassen. Denn das sie jetzt unbeachtet auf dem Regal sitzt, hat sie nicht verdient.

  • Gitte sagt:

    Hallo Britta!
    So bin ich zum Puppen sammeln gekommen. Auch ich hatte eine Puppe, Aquamarina genannt. Irgendwann habe ich sie auf Drängen meiner Mutter an ein “armes Mädchen” abgegeben, also nicht freiwillig. 1980 schenkte mein Mann mir eine Puppe und sie war da die Sehnsucht nach Puppen und Kinderzeit. Von meiner Freundin die auch sammelt kam der Hinweis nach alten Fotos das es sich um eine K&W Puppe handelt, ich habe bei Ebay gesucht und gefunden. Vielleicht sendest du mal privat Fotos, sicher gibt es eine preiswertze Möglichkeit dein Kind wieder herzurichten, was die Frau getrieben hat ist keineswegs in Ordnung und äußerst unseriös.
    Liebe Grüße Gitte

  • Britta sagt:

    Danke für deine Anteilnahme liebe Gitte. Ich sende dir gerne ein paar Bilder und bin gespannt auf dein Urteil.
    Ich wünsche dir und deinen Lieben ein schönes Frühlingswochenende.
    Liebe Grüße Britta

  • Christiane sagt:

    Auch wenn meine Anzahl an Puppen und Stofftieren vielleicht nicht so übersichtlich war, habe ich trotzdem immer Lieblinge gehabt, die ich auch heute noch besitze.
    Dazu gehört der Steiffteddy, der heute immer noch in meinem Bett sitzt (mit einem alten Strampler von mir an), meine Schwarze Puppe (die ich aus political correctness nicht mehr Negerpuppe nenne) und meine Puppe mit den echten Haaren, die leider mittlerweile trotz aufopfernder Pflege etwas verfiltzt sind. Komischerweise kann ich mich nicht daran erinnern, wie die Puppen heißen oder geheißen haben, als ich klein war. Ich glaube, dass die schwarze Puppe Kathrin hieß.
    Außerdem ein Stofftier ohne das ich auch heute nicht mehr einschlafen kann, mein Hase, der einen alten blau-weiß karierten Rock von mir als Kind trägt. Den habe ich geschenkt bekommen als ich etwas älter war, er ist von Tchibo und ich liebe ihn. Das sieht man ihm auch an, er ist schon sehr angegrabbelt ;-)

  • Britta sagt:

    Ja, sie hieß Kathrin und es ist eine Schildkröt Puppe, die ich von einer lieben Bekannten für dich geschenkt bekam.
    Es gibt da einen großen blauen Sack, voll mit Stofftieren, die nur einen Teil der vielen Tiere ausmachen, die deinem Bruder gehören. Ab und an versuche ich, ihn davon zu überzeugen, dass man sie weggeben sollte. Aber er ist unnachgiebig und will keins davon hergeben.
    Möglicherweise sind sogar “Erbstücke” von dir dabei ;-)

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