Mama erzähl mal

Erinnerungen an meine Kindheit in Essen-Werden

Meine erste Verkleidung

Als ich in die erste Klasse ging hatte ich das erste Mal wieder Kontakt zum närrischen Treiben. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, dass mein Vater mir das allererste Karnevalskostüm gestaltete.  Er kam vom Rosenmontagssammeln mit den Werdener Spielleuten nach Hause und war richtig gut aufgelegt. Er fragte, ob ich auch gerne singen gehen würde, wie die anderen Kinder aus der Nachbarschaft. Und wie ich wollte. Aber ich hatte ja kein Kostüm?

Mein Vater kramte eine alte Jacke und ein altes Hemd hervor, darunter wurde ich dick warm angezogen und ein alter verbeulter Hut fand sich auch noch irgendwo. “Mh….aber was ist das für ein Kostüm? Als was gehe ich denn?” “Du bist jetzt ein Räuber” Um die Verkleidung perfekt zu machen, rußte er mir mit Hilfe meiner Mutter das Gesicht ein und holte dann einen alten Sack aus dem Keller, der mit  Zeitungen ausgestopft wurde. Das sollte meine Beute sein!

Etwas mulmig war mir, als ich dann aus dem Haus ging um in den Geschäften der Nachbarschaft zu singen.  Und was sollte ich singen? Das einzige Lied, welches ich ab und an mal gehört hatte war,

Heidewitzka, Herr Kapitän
Mem Möllhemer Böötche fahrn  mer su järn,
man kann so schön em Dunkle schunkele
wenn övver uns de Stäärnlein  funkele
Heidewitzka, Herr Kapitän
Mem Müllemer Böötche fahre mer su jän.

Leider kannte ich  den übrigen Text nicht. Aber das war überhaupt kein Problem.Die Leute fanden es toll, es war mal etwas anderes, als das was die anderen Kinder sangen. Die sangen nämlich meistens nur “ich bin ein kleiner König”

Meine Mutter ging in einigem Abstand mit um auf mich aufzupassen und als wir nach einer Stunde wieder heimgingen, hatte ich richtig gute Beute gemacht. Ich war stolz wie nur was über meine ersungenen Süßigkeiten und der ein oder andere Groschen war auch dabei.

Was ich natürlich bedauerte war, dass ich nicht gleich am nächsten Tag wieder los konnte. Aber die Saat war gelegt, der Karnevalvirus hatte mich gepackt.

Kategorie: Mein Werden
  • Gitte sagt:

    Mein erstes Kostüm war ein Fliegenpilz und ich war gerade sechs Jahre alt. Ganz allein maschierte ich los und schellte am Viehauser Berg. Mein Körbchen füllte sich schnell, ich sang:”Ich bin ein kleiner König.” Nach einer Weile schellte ich an einer Tür und bemerkte erst dann entsetzt das da stand: “Betteln und Hausieren verboten.” Ich war so erschrocken das ich heulte. Die Frau die aufmachte nahm mich in den Arm und tröstete mich, danach traute ich mich nicht mehr allein los zu gehen.

  • Britta sagt:

    Hoffentlich hast du dann in den Folgejahren mit einer Freundin weiter gemacht.
    Oder bist du nie wieder singen gegangen?

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