Mama erzähl mal

Erinnerungen an meine Kindheit in Essen-Werden

Baisereier

Als Kind schon liebte ich sie und sie waren das Leckerste überhaupt in der Osterzeit.

Baisereier.

Sie waren größer als die, die es heute zu kaufen gibt und sie kosteten 5 Pfennig das Stück.

Natürlich gab es die im Laden von Fräulein Ophoff.

Wenn ich für sie das Mittagessen von ihrer Wohnung holte, wo Frau Bönneken ja den Haushalt führte, bekam ich sehr häufig als Dankeschön etwas Leckeres aus ihrem Sortiment. Nicht jedes Mal, aber wenn, dann immer auch für Heinz und Susanne.

Das ging nicht anders, denn ich weiß, wenn ich von jemanden etwas bekam zögerte ich immer und sagte dann “….und Heinz und Susanne???”

Natürlich nicht bei Fräulein Ophoff, denn für sie war es eine Selbstverständlichkeit auch an meine Geschwister zu denken.

Teilen war bei uns eine Selbstverständlichkeit.

Aber eines Tages ging es mit mir durch. Ich hatte wieder einmal das Mittagessen geholt und bekam dafür von Fräulein Ophoff eine sehr hübsche runde Blechdose, die gerade leer geworden war.  Und DREI Baisereier.

Und was habe ich getan?

Ich ging in die Gasse und stellte mich in den Seiteneingang des Hauses, gleich schräg gegenüber unserer Haustür und habe alle drei Eier heruntergeschlungen.  In dem Augenblick mögen sie mir geschmeckt haben, aber ich hatte danach natürlich ein richtig schlechtes Gewissen. Und ich konnte es niemandem erzählen…

Meiner Mutter habe ich die leere Dose gezeigt und gesagt, dass ich die fürs Essen holen bekommen habe.

Ich glaube, es ist nicht rausgekommen, dass ich so gierig war und ausserdem auch noch gelogen hatte.

Aber die Angst dass es rauskommt und das schlechte Gewissen gegenüber meinen Geschwistern hat mich lange nicht losgelassen und mich im späteren Leben vor ähnlichen Schandtaten bewahrt.

Später habe ich mich damit getröstet, dass sie mir sicher auch nicht immer etwas abgegeben haben. Aber das ist eben nur ein schwacher Trost.
:-(

Kategorie: Menschen
  • Klaus sagt:

    eine wunderbare kleine Geschichte – und sie zeigt, Du bist Dir treu geblieben, bis heute…

  • Gitte sagt:

    Oh ja das Fräulein Ophoff, der kleine Laden war ein Kinderparadies. Meine Augen wußten kaum wo sie zuerst hinschauen sollten bei diesen Köstlichkeiten, die damals für uns so rar waren und einen viel höheren Stellenwert besaßen als heute. Wenn ich zu Hause viel geholfen habe, bekam ich zanzig Pfennig und durfte mir dort Süßigkeiten kaufen. Manchmal “verzählte” sie sich und es gab ein “Klümpken” mehr. Das war oft der Fall, wenn wir von der Heckerschule zur Luciusschule müßten zum Turn Unterricht.
    Liebe Grüße Gitte

  • schangrila sagt:

    Hallo Gitte

    Ich freue mich, dass du Fräulein Ophoff auch in so guter Erinnerung hast. Sie war eine Seele von Mensch und Geschäfte wie ihres kann man heute kaum jemanden vermitteln.
    Sie sind ein Opfer der Supermärkte und Discounter und wird es, wie so vieles Andere, was wir noch wie selbstverständlich kannten, nie wieder geben.

    sei ganz herzlich gegrüßt,

    Britta

  • Heiner sagt:

    … und das Besondere zum Geburtstag war: Wir bekamen stets eine “Leckerestüte” für uns ganz allein. Unteilbar. Geteilt wurden zum Geburtstag nur die Schokoladentafeln, die damals noch stets sechs Riegel á 4 Stückchen hatten. Das ließ sich prima durch drei teilen.

    Gruß Heinz

  • schangrila sagt:

    ….ja, die war immer besonders groß.
    Aber jeder von uns hat den Anderen was abgegeben… :D

    Und da gab es ja auch noch für jeden die Wochenendtüte am Freitag Abend oder Samstag. Die war natürlich viel kleiner.
    Egal wie die finanzielle Situation war, auf die Tüte konnten wir uns verlassen!

    Liebe Grüße
    Britta

  • Gitte sagt:

    Ja ja, die Tante Emmaläden, auf der Huffmannstr. gab es da noch Kohl. Und bei Werntges konnte man einzelne Scheiben Käse, oder 1/4 Butter kaufen

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