Mama erzähl mal

Erinnerungen an meine Kindheit in Essen-Werden

Haus Heck und Frau Wiese

Haus Heck

http://www.zeitspurensuche.de/05/05esswe1.htm

Auf der Suche nach einigen verwendbaren Bildern für diesen Blog, fand ich diese schöne Aufnahme von Haus Heck.

Auch mit diesem Haus verbinde ich Erinnerungen und ich freue mich, dass ich dieses Bild verwenden darf.

Als ich noch ganz klein war, faszinierte mich dieses Gebäude schon. Es hatte etwas geheimnisvolles an sich. Rapunzel, Dornröschen, alle hätten dort leben können.

Als ich in das Alter kam, dass ich mit meinen Geschwistern spazieren gehen durfte, blieben wir sehr oft vor diesem Haus stehen.

Aber nicht, weil wir glaubten, eine verwunschene Prinzessin sähe aus einem der Turmfenster auf uns herab, nein, es gab etwas Anderes, für uns Kinder viel Interessanteres dort.

Hinter den unteren Turmfenstern saßen fast immer einige  Katzen Eine war besonders häufig zu sehen. ein dicker roter Kater. Aber es saßen eben auch andere Katzen dort um nach draußen zu sehen und wir konnten nur erahnen, wie viele es wohl sein mögen.

Nur wenn die alte Frau, die in diesem Turmzimmer lebte,  am Fenster erschien, waren wir nicht ganz sicher, ob es nicht doch ein Märchenturm ist, in dem die Hexe ihr unendliches Leben fristet.

Manchmal sahen wir sie auch wenn sie zum Einkaufen ging. Wir hielten uns immer in respektvoller Entfernung, denn man kann ja nie wissen.

Irgendwann legte sich diese Angst aber. Das lag wohl auch daran, dass sie gelegentlich bei Fräulein Ophoff einkaufen kam. Und irgendwann wurde ich einmal gebeten, ihr doch zu helfen, die Einkäufe nach Hause zu tragen.

Dabei erfuhr ich dann auch ihren Namen. Sie hieß Frau Wiese.

Frau Wiese war, jedenfalls in meinen Augen, eine sehr große Frau. Sie hatte ihr Haar zu einem Nackenknoten gebunden und trug meist einen Umhang, der über  und über voller Katzenhaare war.

Ich weiß nicht, ob sie wirklich arm war, aber ich habe sie immer für eine sehr arme Frau gehalten.

Was sie aber nicht war, sie war gar keine böse Frau, so wie wir anfänglich dachten. Im Gegenteil, sie lebte zwar sehr zurückgezogen aber als wir wieder einmal vor ihrem Turm standen, um die Katzen zu bestaunen, lud sie uns sogar zu sich herein.

Etwas mulmig war mir dabei schon. Zum Einen, weil es ein wenig unheimlich erschien, dort rein zu gehen, zum Anderen  weil ich ja eigentlich nicht zu anderen Leuten in die Wohnung gehen durfte.

Wir kamen in einen dusteren Hausflur und links gingen ein paar Stufen in ihren Turm. Sie bewohnte scheinbar nur dieses eine Zimmer. Gemeinsam mit  fünf oder sechs Katzen, die alle wohlgenährt und faul irgendwo lagen. Auf ihrem Bett, auf dem Stuhl und natürlich auch auf der Fensterbank.

Ach ja, und überall standen Schälchen mit Katzenfutter.

Das Schönste war, dass wir die Katzen auch streicheln durften und die eine oder andere Katze kam gerne und ließ sich bei uns nieder.

Irgendwie übte ihre “Wohnung” eine besondere Faszination auf mich aus. Es roch irgendwie merkwürdig, aber es gab auch Dinge, die darauf schließen ließen, dass sie einmal andere Zeiten erlebt hat. Die wenigen Möbel waren alt, aber irgendwie besonders, es gab schönen Nippes und den Kakao, den sie uns bereitete gab es in sehr schönen Tassen.

Was ich mich frage ist, wo hatte sie nur ihre Toilette? Sicher draußen, im Flur oder im Hof?

Wir sind später häufiger und gerne bei ihr gewesen, aber irgendwann war sie nicht mehr da. Ich kann mich nur leider nicht erinnern, ob wir uns aus den Augen verloren, weil wir von der Heckstraße  zur Ludgerusstraße gezogen sind, oder aus welchem anderen Grund die Erinnerungen abreißen.

Kategorie: Menschen

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